Blick per Ultraschall in Betonblock als Attraktion zum 25-Jährigen

Materialforschungs- und Prüfanstalt Weimar lässt bei ihrem Jubiläum den Blick mehr nach vorn als zurück schweifen

WEIMAR. Mehr nach vorn als zurück ging gestern der Blick bei einer Jubiläumsveranstaltung: Die Materialforschungs- und Prüfanstalt (MFPA) Weimar, eine Einrichtung des Freistaates Thüringen und organisiert als An-Institut der Bauhaus-Universität, feierte ihr 25-jähriges Jubiläum. Rund 150 Besucher erwiesen dem Team um die Direktoren Prof. Carsten Könke (Wissenschaft) und Dr. Konrad Nitsche (Kaufmännisches) die Ehre. Gastvorträge hielten unter anderem Prof. Karl Beucke, der bis zum Frühjahr als Uni-Rektor auch zum Kuratorium der MFPA gehörte und dem Haus seit vielen Jahren verbunden ist, und Dr. Michael Jacob von der Firma Glatt Ingenieurtechnik, Kuratoriumsmitglied und Sprecher des Thüringer Unternehmens- und Forscherbündnisses Partikeldesign.

Es ging vor allem darum, zukünftige Entwicklungsrichtungen in unserem Themengebiet aufzuzeigen“, so Nitsche. Eine davon sei eine Richtungs-Umkehr: „Bisher ging es meist darum, welche Werkstoffe es gibt und welche Produkte man daraus machen kann. In Zukunft lautet der Trend: Anforderungen an ein fertiges Produkt festlegen und dann rückwärts übersetzen, welche Anforderungen das an die Werkstoffe und Materialien stellt.“ Die permanent leistungsfähiger werdende Computertechnik ermögliche immer genauere Simulationen und das regelrechte „Modellieren“ von Werkstoffen. „Aber es ist dabei eben immer auch wichtig, die simulierten Werte in Experimenten mit der Realität abzugleichen“, erläutert Nitsche.

Zweiter großer Trend sei die Sensorik. Künftig werde es immer wichtiger, in Bauteile und Produkte schon beim Fertigungsprozess Sensoren zu integrieren, um das Verhalten der Materialien während der Nutzungsdauer zu analysieren.

Die Besucher bekamen gestern einige der technischen Möglichkeiten der MFPA demonstriert. So zeigte etwa eine Arbeitsgruppe um Martin Schickert den zerstörungsfreien „Blick“ in einen Betonblock mittels Ultraschall und einer speziellen Software, die zum Beispiel Fehlerstellen oder den Verlauf von Spann- sowie Bewehrungsstählen auf einem Tablet-Computer sichtbar macht. Jüngste Errungenschaft der MFPA ist ein Massenspektrometer, mit dem sich Ober- und Grenzflächen bis in mikroskopische Bereiche analysieren lassen – rund 350 000 Euro kostete das erst vor wenigen Tagen aufgebaute Hightech-Gerät.

Zurzeit plant die MFPA den Aufbau zweier neuer Forschergruppen und hat dafür Stellenausschreibungen platziert. Aktuell sind rund 95 Mitarbeiter in der Coudraystraße beschäftigt – mit den bis zu sechs erhofften Neuzugängen wären die räumlichen Kapazitäten ausgereizt.

[14.9.2017]

 

Quelle: Michael Grübner, Thüringer Allgemeine

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